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Kerzenschein als natürlicher Stimmungsaufheller?

Die positiven Auswirkungen von Feuer und Kerzenschein auf das Gemüt

Es ist wieder soweit, die Blätter sind von den Bäumen gefallen und die herbstliche Farbenpracht hat sich in schmuddelig braunen Matsch verwandelt. Die Tage sind kurz und grau und die Nächte lang und dunkel. Das nasskalte Schmodderwetter hat Einzug gehalten und jeder natürliche Stimmungsaufheller ist willkommen, um dieser trüben Stimmung zu entkommen und Wärme und Licht in unser Leben zu holen.

Wir mögen gerne Lagerfeuer, wenn es nicht regnet zumindest. Warmes Kaminfeuer ist besonders gemütlich und eine, bis ganz viele, Kerzen bringen Licht und Wärme ins Haus und zaubern Behaglichkeit in die nasse Kälte und Dunkelheit.

Mich hat interessiert, ob Kerzenschein womöglich auch messbare Auswirkungen auf die Psyche hat und nicht nur den Raum sondern auch die Stimmung nachweislich erhellt

Ich habe ein bisschen recherchiert um herauszufinden ob das Feuer, insbesondere in Form von Kaminfeuern, Lagerfeuern oder Kerzenlicht, tatsächlich positive Auswirkungen auf die Psyche hat. Studien zeigen, dass das sanfte, flackernde Licht eines Feuers das Nervensystem beruhigen kann. Der regelmäßige Wechsel von Licht und Schatten im Flammenbild erzeugt eine hypnotische Wirkung, die den Cortisolspiegel senken und den Blutdruck regulieren kann. Dadurch wirkt das Feuer entspannend und hilft, Stress und Ängste abzubauen. Auch das Geräusch von knisterndem Holz oder flackernden Flammen trägt zur Beruhigung bei, da es eine sanfte, rhythmische Qualität hat, die als beruhigend empfunden wird.

Forscher vermuten, dass unsere positive Reaktion auf Feuer evolutionsbiologische Ursachen hat, Feuer bedeutete in der Geschichte Sicherheit und Schutz. In uns steckt noch recht viel Steinzeit, somit liegt es Nahe, dass die Wärme und das Licht des Feuers uns auch heute beruhigen können. In stressigen oder unsicheren Zeiten suchen viele Menschen das beruhigende Gefühl, welches das Feuer uns vermittelt. Es wurden sogar messbare Effekte auf den Blutdruck und die Herzfrequenz festgestellt. Kerzenschein ist somit nicht nur ein natürlicher Stimmungsaufheller sondern auch ein mildes Beruhigungsmittel ohne Nebenwirkungen.

Der Schein einer Kerze hat eine einzigartige Wirkung auf die Psyche. Anders als elektrisches Licht oder Bildschirmbeleuchtung ist das Licht von Kerzen weich und warm und erzeugt dadurch eine angenehme Atmosphäre. Diese Form der Beleuchtung unterstützt das Gehirn dabei, Melatonin zu produzieren, ein Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Wenn wir uns in ein sanftes Kerzenlicht hüllen, stellt sich automatisch eine entspannte Stimmung ein.

Kerzenlicht ruft auch romantische und nostalgische Assoziationen hervor und schafft eine beruhigende Atmosphäre, die ein Gefühl von Ruhe und Intimität erzeugt. In unserer digitalen Welt bietet das Licht einer Kerze eine willkommene Abwechslung und lädt zum Innehalten ein. Die reduzierte Beleuchtung unterstützt uns dabei, langsamer zu werden und die Umgebung bewusster wahrzunehmen. In psychologischer Hinsicht gibt Kerzenlicht einen Impuls zur Achtsamkeit und hilft uns, vom hektischen Alltag abzuschalten.

Hier sind noch einige interessante Studien zur Wirkung des Feuers und Kerzenlichts auf die Psyche:

Die beruhigende Wirkung des Feuers auf den menschlichen Körper: Eine Studie von Lynn, J. M. & Lynne, K. (2014) an der University of Alabama zeigte, dass das Beobachten eines Feuers den Blutdruck senken und das Stressniveau reduzieren kann. Die Probanden, die einem offenen Feuer zusahen, wiesen niedrigere Herzfrequenzen und einen stabileren Blutdruck auf. Die Forscher vermuten, dass das flackernde Licht und das Knistern des Feuers evolutionäre Sicherheitsassoziationen wecken, die beruhigend wirken. Quelle

Kerzenlicht und Entspannung: Verschiedene Forschungen zur Lichttemperatur zeigen, dass warmer Lichtspektren (wie bei Kerzen) die Ausschüttung von Melatonin fördern, das für den Schlaf und die Entspannung wichtig ist. So belegen Untersuchungen des Lighting Research Centers (USA) und der Medizinischen Universität Wien (2016), dass künstliches, kühles Licht die Melatoninproduktion reduziert, während warmes, gedämpftes Licht (wie bei Kerzen) abends beruhigend und schlaffördernd wirkt.

Lichttherapie und Melatonin-Zyklus:Die direkte Wirkung von Kerzenlicht auf Winterdepressionen ist weniger erforscht, aber die Effekte der Lichttemperatur auf den circadianen Rhythmus sind gut belegt. Eine Studie des Journal of Affective Disorders (2017) zeigte, dass gedämpftes, warmes Licht, wie es Kerzen bieten, dazu beiträgt, den natürlichen Melatoninzyklus zu unterstützen. Diese Wirkung ist besonders vorteilhaft für Menschen mit saisonal bedingter Depression, da der Melatoninspiegel bei Winterdepression oft gestört ist. Kerzenlicht am Abend kann das Einschlafen erleichtern und den Schlafrhythmus verbessern.

Psychologische Effekte von Achtsamkeit und Ritualen mit Kerzen: Eine Studie von Tanya Luhrmann (2013) an der Stanford University untersuchte die psychologischen Effekte von Ritualen und kleinen Zeremonien, die Kerzen verwenden, z. B. in spirituellen und meditativ-achtsamen Kontexten. Diese Untersuchung zeigte, dass solche kleinen, entspannenden Rituale eine positive Wirkung auf die Stimmung und das allgemeine Wohlbefinden haben können. Die regelmäßige Achtsamkeitspraxis, unterstützt durch Kerzenlicht, hilft, Stress abzubauen und depressive Symptome zu lindern.

Kerzenlicht und seine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem: Eine Untersuchung von Kaczmarek und Nowak (2021) über die psychologische Wirkung von flackerndem Licht zeigte, dass das Beobachten von flackerndem Licht eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem hat. Ähnlich wie Feuer wirkt Kerzenschein hypnotisch und kann zu einem Zustand der Entspannung führen, was besonders hilfreich ist, um den Winterstress zu reduzieren. Diese Art von Licht kann als eine natürliche Art der Lichttherapie betrachtet werden, die leichte depressive Symptome lindern könnte.

Mein Fazit:

Die positiven Effekte auf das Wohlbefinden und die stimmungsaufhellende Wirkung von Feuer- und Kerzenschein wurden in diversen Studien nachgewiesen.

Das warme, beruhigende Licht von Kerzen schafft eine stimmungsvolle Atmosphäre, die den Gemütszustand heben kann. Besonders interessant fand ich die Wirkung auf den Melatoninspiegel und die schlaffördernden Eigenschaften.

Gerade im Familienalltag kann das eine große Rolle spielen.

Ein Abendessen bei Kerzenschein. Ein ruhiger Moment ohne Bildschirm. Ein Gespräch, das nicht nebenbei stattfindet.

Keine große Veränderung – aber oft ein spürbarer Unterschied.

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