Back to School
In Mecklenburg-Vorpommern ging am Montag die Schule wieder los. Morgens klingelt also wieder der Wecker, es geht wieder an Stundenpläne, Schulmaterialien und natürlich an die Brotdosen.
Ja, diese Brotdosen …
Seit 16 Jahren packe ich inzwischen Brotdosen. Mittlerweile nur noch für ein Kind, aber es gab auch Zeiten, da war das mein morgendlicher Marathon: Wünsche berücksichtigen, trotzdem irgendwas halbwegs Gesundes reinpacken und dann damit leben, dass am Nachmittag die morgendliche Mühe wieder nach Hause kommt.
„Hat nicht geschmeckt.“
„War warm.“
„Der und der hatte Geburtstag und hat Kuchen mitgebracht.“
Bestenfalls erfährt man das am selben Nachmittag und kann den Inhalt einfach entsorgen und nicht erst nach einer Woche, den Ferien oder aus anderen Gründen, warum eine verschlossene Brotdose lange genug irgendwo herumlag, um in ihrem ganz eigenen Mikroklima eine eigene Population zu züchten.
Nach 16 Jahren Brotdosen packen kann ich sagen: Das gehört offenbar einfach dazu.

Bücher einschlagen!
Eine weitere immer wiederkehrende Aktivität für Eltern nach den Ferien: Bücher einschlagen.
Bei uns gibt es im Umkreis von 20 Kilometern genau einen Laden, der Buchumschläge in allen Größen bereithält.
Also liebe Lehrer, sorry: Die Bücher meiner Kinder werden niemals nicht am ersten Schultag eingeschlagen sein.
Ich bin berufstätig. Ich kann mich nicht den ganzen Nachmittag im Schreibwarenladen anstellen, gemeinsam mit allen anderen Eltern, deren Kinder ebenfalls am ersten Schultag ihre Bücher bekommen haben.
Dieses Mal allerdings – und vermutlich vor allem, weil bei uns im Haushalt nur noch ein Schulkind wohnt – waren die Bücher tatsächlich schon am zweiten Schultag eingeschlagen.
Persönlicher Rekord! 😉

Und dann kommen die Elternabende
Dann passiert das, was eigentlich immer passiert: Die Elternabende stehen an!
Back to School im natürlichen Habitat.
Elternabend – oh man, da kann man was erleben!
Grundsätzlich mag ich Elternabende.
Man sieht den Klassenraum, lernt die Lehrer kennen und kann mal schauen, wo sich das eigene Kind eigentlich den halben Tag aufhält. Manchmal gibt es interessante Informationen, immer irgendwelche Absprachen zu diesem oder jenem und natürlich: die anderen Eltern.
Das kann gut oder schlecht sein.
Ich erinnere mich zum Beispiel (bei einem der großen Kinder) an eine ungefähr 1,5-stündige Grundsatzdiskussion darüber, ob Obstspießchen beim Klassengrillen einer 4. Klasse nicht eine potenziell tödliche Waffe wären.
Ja.
Obstspießchen.
Es wurde ernsthaft befürchtet, die Kinder könnten die Holzspieße zweckentfremden und sich damit gegenseitig die Augen ausstechen.
Ich weiß nicht mehr, wie wir uns am Ende entschieden haben. Aber alle Kinder haben die Grundschule mit beiden Augen verlassen. So viel kann ich sagen.
Man lernt auf Elternabenden eben nicht nur etwas über Schule, sondern auch eine ganze Menge über andere Eltern.
Manche sieht man praktisch nie. Manche sind einfach da. Und dann gibt es noch die Eifrigen.
Den Elternrat.
Da gibt es Eltern, die mit Herzblut Klassenkassen verwalten, Ausflüge planen, Feste organisieren und sich wirklich den Hintern aufreißen, damit die ganze Klasse eine tolle Schulzeit hat.
Und dann gibt es manchmal auch Engagement, bei dem die Interessen der gesamten Klasse und die Interessen des eigenen Kindes eine erstaunlich große Schnittmenge haben.
Da werden großzügige Spenden geleistet, Gespräche geführt, Beziehungen gepflegt und mit einem Einsatz verhandelt, bei dem man sich fragt, wo diese Menschen eigentlich die zusätzlichen 17 Stunden am Tag hernehmen.
Und je nach Schule und Lehrer trägt das durchaus Früchte.
Die Dynamiken in Schulklassen sind beeindruckend.
Da ist ein Lehrer begeistert von besonders engagierten Eltern und irgendwie ist dann manchmal auch das dazugehörige Kind ganz besonders toll.
Kann natürlich Zufall sein.
Bestenfalls merkt es niemand. Vor allem die Mitschüler nicht. Denn zwischen „Held der Klasse“ und „der wird sowieso immer bevorzugt“ liegt manchmal nur ein sehr schmaler Grat.
Vielleicht klingt das jetzt ein bisschen frustriert. Keine Sorge. Auch die anderen Kinder können gut durch die Schulzeit kommen. Und ihre Eltern übrigens auch. Man muss nur gelegentlich 1,5 Stunden über die Gefährlichkeit von Obstspießchen diskutieren.
Dieses Jahr haben wir auch da wieder den Luxus: nur noch zwei Schulkinder insgesamt und durch unsere Patchworkkonstellation nur eins davon im Haushalt. Also wird es nicht so wild. Alles machbar.
Aber liebe Eltern von mehreren Kindern: Ja, ich erinnere mich noch sehr gut an das alljährliche Chaos. An die verschiedenen Elternabende und vor allem an die Massen an Schulmaterialien, die besorgt und natürlich auch noch beschriftet werden mussten.

Kleiner Life-Hack an dieser Stelle: Diese Klebeetiketten, die man heute einfach mit dem Namen des Kindes bedruckt bestellen kann, sind das Beste, was es auf diesem Planeten gibt!
Wer schon einmal bei einem Grundschulkind jeden. einzelnen. Stift. beschriften musste, weiß, wovon ich rede.
Das ist der Gamechanger der Elternschaft im Haushalt mit jüngeren Schulkindern!
Und trotzdem fehlt einfach immer irgendwas.
Irgendwas wird auf der Materialliste übersehen. Oder dann doch nicht nach Lehrerstandard angeschafft, weil man felsenfest davon überzeugt war, dass das so richtig ist. Schließlich brauchte das nächstältere Kind vor ein paar Jahren genau diese Ausführung und tja … irgendwann wurde das im eigenen Kopf einfach zum allgemeingültigen Standard erklärt.
War es aber nicht.
Also, habt ein bisschen Geduld mit uns, liebe Lehrer. Wir geben uns Mühe. Wirklich.
Aber nach ein paar Kindern und Schuljahren kommt man mit den ganzen Heftfarben, Lineaturen, Umschlägen, Pinseln, Stiften und Sonderwünschen einfach irgendwann durcheinander.
Das Muttiheft!
Oh, und noch ein Klassiker aus der Grundschulzeit: das Muttiheft!
Das heißt inzwischen manchmal Hausaufgabenheft oder sogar Tagebuch. Irgendwie hieß es noch nie Papiheft. Wie auch immer man es nennt: Da sollen die Kinder ihre Hausaufgaben reinschreiben, was sie mitbringen müssen und was sonst noch so wichtig ist.
Das klappt je nach Kind besser oder schlechter, oder eben nicht. Je nach Temperament des Lehrers bekommen dann die Eltern rote Einträge, wenn die Kinder etwas vergessen haben. Oder die Eltern etwas vergessen haben. Oder keiner so genau weiß, wer eigentlich was vergessen hat.
Besonders hilfreich:
„Das Kind hat sein Was-auch-immer nicht dabei.“
Okay. Zu Hause ist es nicht. Im Ranzen vielleicht? Oder am Ende liegt es sogar in der Schule. Das Kind hat es halt nicht gefunden. Und nun? Sollen wir jetzt in die Schule kommen und suchen?
Gerade bei Grundschülern fand ich das teilweise wirklich nervig. Vor allem, wenn doch eigentlich ziemlich offensichtlich war, dass dieses Kind mit den gefühlt 753 Materialien, die es in den ersten Klassen täglich zu verwalten hatte, schlichtweg noch überfordert war. Genau das lernen die Kinder doch gerade erst.
Und wem bringt dann der rote Eintrag im Muttiheft etwas? Dem Kind? Den Eltern? Dem verschwundenen Schnellhefter? Oder ist das einfach manchen lehrern ein Bedürfniss? Ich weiß es nicht.
Einer meiner persönlichen Favoriten in diesem Zusammenhang war, dass bei einer meiner Töchter bei Pünktlichkeit durchgehend die Bewertung: „befriedigend“ stand.
Das fand ich bemerkenswert. Das Kind kam mit dem Schulbus oder wurde von mir zur Schule gefahren. Es gab eigentlich überhaupt keinen Zeitraum, in dem dieses Kind eigenständig hätte zu spät kommen können.
Bis ich irgendwann herausfand:
Mit „Pünktlichkeit“ war gar nicht gemeint, ob sie pünktlich in der Schule war.
Sie brauchte zu lange, um ihre Materialien auf den Tisch zu legen! Ah ja.
Ein bisschen Ärger schwingt hier vielleicht noch mit. Aber falls ihr gerade selbst ein Grundschulkind habt und euch über solche Dinge ärgert: Durchatmen. Nicht jede rote Notiz im Muttiheft braucht eine Grundsatzdiskussion und nicht jedes „befriedigend“ muss bis ins letzte Detail ausdiskutiert werden.
Am Ende macht die Schule ihre Regeln.Wenn das Kind diese Regeln nicht so befolgt, wie es erwartet wird, wird es eben entsprechend bewertet.
Da kann man natürlich Sorgfalt üben. Man kann gemeinsam versuchen, morgens an alles zu denken, den Ranzen besser zu organisieren und das Kind daran erinnern, dass der Schnellhefter vermutlich nicht von allein auf den Tisch hüpfen wird. Und wenn das Kind trotzdem nicht so richtig mitmacht? Wenn es dann eben doch einen Moment länger schnattert oder in der Gegend herumguckt? Dann hilft manchmal nur ein dickes Fell.
Denn auch diese Kinder machen ihren Weg!
Selbst wenn irgendwann einmal ein oder ganz viele roten Einträge im Muttiheft standen. Selbst wenn die Pünktlichkeit nur befriedigend war, weil der Klebestift nicht schnell genug auf dem Tisch lag.
Eine Lehrerin, die es mit einer meiner Töchter nie so richtig gut meinte, sagte einmal zu mir:
„Tja, was man in der Grundschule nicht lernt, das lernt man nie.“
Ich habe vermutlich ziemlich blöd geguckt und mir nur gedacht: Diese arme Frau. Sie hat ihr ganzes Leben in der Grundschule verbracht und weiß offenbar gar nicht, was die Welt da draußen noch alles zu bieten hat. Von lebenslangem Lernen hatte sie wohl auch noch nichts gehört. Zum Glück sind solche Charaktere unter Lehrern nicht die Regel.
Falls euer Kind gerade auch rote Einträge im Muttiheft sammelt, ständig irgendwas verbummelt oder einfach nicht schnell genug seinen Klebestift auf den Tisch bekommt:
Keine Panik! Die Grundschule ist irgendwann vorbei. Und erstaunlicherweise kann man danach immer noch Dinge lernen. 😉
„Morgen ist Klassenfrühstück. Ich muss … mitbringen.“
Der Klassiker in jedem Schuljahr und bei nahezu jedem Kind ist dieser eine Satz:
„Mama, wir brauchen morgen …“
Das ist ein bisschen wie der Anfang eines Horrorfilms oder eines unlösbaren Rätsels. Denn dieses „Wir brauchen morgen“ kommt grundsätzlich um 20:32 Uhr.
Vorzugsweise an Tagen, an denen sowieso schon so viele Termine anstehen, dass absolut keine Möglichkeit besteht, noch irgendwo außer der Reihe hinzufahren. Und bei uns im ländlichen Raum gibt es eben auch keinen Laden um die Ecke, in den man mal eben schnell springen kann.
Ein weiterer Klassiker, besonders beliebt kurz vor den Ferien:
Die Kinder sind eigentlich schon im Bett. Der nächste Tag ist komplett durchgetaktet, der eigene Terminkalender zum Bersten voll und weil in Mecklenburg-Vorpommern die Schule recht früh beginnt, ist auch der Morgen nicht gerade üppig mit freier Zeit ausgestattet.
Dann geht die Tür noch einmal auf.
„Mama?“
Allein das verheißt zu diesem Zeitpunkt meistens nichts Gutes.Was auch immer an dieser Stelle genannt wird: Es befindet sich grundsätzlich nicht originalverpackt im Kühlschrank.
Natürlich nicht. Die Läden sind bereits zu. Morgens öffnen sie erst um 7 Uhr. Das Kind muss aber zur Schule. Mit der „Sache“.
Jap. So ist das. Man kennt es. Irgendwie findet sich dann doch eine Lösung. Nicht immer die schönste, nicht immer die ursprünglich gewünschte und ganz sicher nicht die, die man gewählt hätte, wenn man vielleicht schon drei Tage vorher von diesem Klassenfrühstück gewusst hätte.
Aber am nächsten Morgen zieht das Kind los und ein paar Tage später wartet schon das nächste „Mama, wir brauchen morgen …“. So läuft das eben.
Brotdosen werden wieder mit nach Hause kommen, manche verschwinden für immer. Bücher werden irgendwann eingeschlagen sein. Irgendwas von der Materialliste wird fehlen und irgendein Elternabend wird länger dauern als nötig.
Also dann:
Back to School!


