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Tibi

Über 9000 Stunden gemeinsam im Einsatz – ein ganz besonderer Hund …

Für Tibi · 28. Mai 2012 – 21. September 2026

Über 9000 Stunden. Wir haben es einmal grob ausgerechnet: So viel Zeit hat Tibi mich bei meiner Arbeit begleitet. Dazu kamen unsere Jahre als Familie. Sie war bei mir, im Alltag, in meinen dunkelsten und meinen schönsten Stunden. Tibi hat unsere Kinder mit großgezogen. Sie fehlt uns so sehr. Manchmal fühlt es sich an, als würde ein bisschen von mir selbst fehlen.

Ein besonderer Hund

Ich möchte festhalten, wer sie war und was sie für uns und viele andere Menschen bedeutet hat.

Schon in ihren ersten Jahren, als sie uns auf Mittelaltermärkte begleitete, fiel ihre besondere Gabe auf. Menschen fühlten sich zu diesem wuscheligen, freundlichen Hund hingezogen. Immer wieder wurde uns Geld für sie angeboten. Meine Antwort war jedes Mal dieselbe:

„Sie ist unbezahlbar.“

Damals konnte ich noch nicht wissen, wie viele Menschen sie später durch schwierige Zeiten begleiten würde.

Von November 2018 bis September 2023 war Tibi in Vollzeit an meiner Seite, während ich als Coach und psychologische Beraterin beim Bildungsträger GSM GmbH arbeitete. Sie gehörte zu meinem Arbeitsalltag und wurde für viele Menschen zu einem wichtigen Teil davon.

Tibi war Trösterin, Spaßmacherin und Aktiviererin. Sie hat so viele Menschen glücklich gemacht. Ich bin überzeugt, dass manche auch deshalb so gern kamen, weil sie wussten: Tibi ist da.

Wenn jemand traurig war, war sie direkt an seiner Seite, legte den Kopf auf das Knie und spendete Trost. Wenn jemand Aufmunterung und Aktivierung brauchte, brachte sie unermüdlich einen Ball. Auf unzähligen Kilometern begleitete sie unsere Coaching-Ge(h)spräche.

Zu unserer gemeinsamen Arbeit gehörten außerdem inklusive Kurse für Menschen mit Behinderung. Wir haben gelesen, geschrieben und gerechnet, gemalt und gestaltet, uns bewegt und gemeinsam die Natur erlebt. Tibi war dabei meine vierbeinige Kollegin.

Sie gab jedem Menschen ein gutes Gefühl. Sie setzte sich so hin, dass auch Menschen mit Bewegungseinschränkungen sie gut streicheln konnten. Ob jemand laut war oder Bewegungen unkoordiniert waren: Tibi freute sich über die Begegnung. Mit ihrer Art trug sie dazu bei, dass sich alle wohlfühlten.

Nach rund 9000 Stunden ging Tibi in den Ruhestand

Im Dezember 2024 ging sie in den Ruhestand. Nach und nach hatte sie gezeigt, dass sie mehr Ruhe brauchte. Sie hörte und sah nicht mehr so gut und genoss ihr Rentnerdasein sichtlich.

Über 9000 Stunden gemeinsamer Arbeit und unzählige Begegnungen. Wie viel Tibi den einzelnen Menschen bedeutet hat, lässt sich in Stunden kaum erfassen.

Nach Feierabend genossen wir unser Leben als Familie. Tibi gehörte dazu, während die Kinder größer wurden und unser Leben sich veränderte. Unsere gemeinsame Geschichte besteht aus so viel mehr als ihren Aufgaben als Therapiehündin. Sie besteht auch aus dem vertrauten Alltag mit ihr.

Am 21. September 2026 mussten wir für immer Abschied nehmen. Es war eine Entscheidung aus Liebe. Trotzdem war es unendlich schwer diese Entscheidung treffen zu müssen.

Ich bin noch immer traurig. Sie fehlt uns so sehr. Zu wissen, warum ich sie gehen lassen musste, nimmt mir diese Trauer nicht ab.

Dieser Artikel und die Bilder sollen festhalten, wer Tibi war: unsere Familienhündin, meine Kollegin und eine Begleiterin, die vielen Menschen gutgetan hat. Ich möchte ihre Geschichte bewahren, auch die kleinen Begebenheiten, die sonst irgendwann verloren gehen.

Sie konnte zum Beispiel eine richtige Nervensäge sein. Auch das fehlt mir.

Ich bin dankbar für die Jahre mit ihr. Für die wunderbare gemeinsame Zeit und für alles, was ich von ihr lernen konnte. Auch für die Momente, in denen sie mich mit ihrem feinen Gespür beschützt hat.

Es gab wenige Situationen, in denen Tibi auf Abstand blieb, statt wie gewohnt auf Menschen zuzugehen. Das erlebte ich etwa bei Menschen in akuten psychotischen Zuständen oder unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Ihre Zurückhaltung war für mich ein frühes Zeichen, aufmerksam zu sein und die Situation vorsichtig einzuschätzen. Manchmal bedeutete das auch, eine Wohnung nicht zu betreten. Über die Jahre hatte ich gelernt, ihre Signale zu lesen und ernst zu nehmen.

„Sie ist unbezahlbar“, habe ich damals gesagt.

Das war sie. Ihr ganzes Leben lang.

Ein Hund begleitet uns immer nur ein Stück des Weges. Aber er hinterlässt Spuren, Erinnerungen und das Gefühl: Da war jemand, für den man die ganze Welt war. Warum sollte es andersherum nicht genauso sein?

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